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Beata Płoska Digitalisierung der Łańcuter Musikalien im Kontext der polnischen und der europäischen Kultur

Das Projekt der Digitalisierung von Musikalien aus den Beständen des Łańcuter Schlossmuseums wurde 2010 durch den Verein Horizon (Krakau) unter fachlicher Mitwirkung unserer deutschen Partner und mit großem Engagement seitens des Museums selbst umgesetzt.

Unser Hauptanliegen bei der Umsetzung des Projekts war eine weitreichende, audiovisuelle Digitalisierung. Einerseits fügten wir einen umfangreichen Teil der Bestände an Musikhandschriften und -drucken dem digitalen Katalog der Bibliothek hinzu, andererseits hielten wir – über den grundlegenden Dokumentations- und Archivierungszweck des Vorhabens hinausgehend – ausgewählte Stücke in auditiver Form auf zwei CDs fest. Zusätzlich nahmen wir eine Reihe von Musikdateien mit Teilen einzelner Stücke auf; wir hoffen, dass sie als hilfreiches Informationsmaterial dienen werden. Dank der „Akustischen Digitalisierung“ der Łańcuter Partituren erhält unser Projekt eine starke künstlerische Prägung.

Es ist erwähnenswert, dass die Schlossbibliothek in Łańcut ihre Musikbestände hauptsächlich der Fürstin Izabela Lubomirska, der Eigentümerin der Łańcuter Landgüter in der Hoch- und Spätphase der polnischen Aufklärung zu verdanken hat. Auf ihre Initiative hin wurde die ursprüngliche Festung – dem Geist der Zeit entsprechend – in eine Palastresidenz umgebaut, deren Räume mit zahlreichen Werken der europäischen Kunst gefüllt wurden. Zu den unschätzbaren Beständen des Schlossmuseums zählt neben den Gemälden, Skulpturen, antiken Vasen, kunsthandwerklichen Erzeugnissen und alten Musikinstrumenten auch eine einzigartige Sammlung von Notenmaterial, die für uns von besonderem Interesse ist.

Angesichts der Fülle an Material konzentrierten wir uns nahezu ausschließlich auf polnische und deutsche Musik (es kann davon ausgegangen werden, dass dies ein guter Ausgangspunkt für die Projektentwicklung in den kommenden Jahren sein wird). In Einzelfällen berücksichtigten wir auch Künstler anderer Nationalitäten, die entweder aus der polnischen Tradition schöpften oder multinationale Wurzeln hatten. Diese scheinbare Abweichung vom allgemeinen Prinzip des Projekts sollte die starren Abgrenzungen lockern und den internationalen Charakter der Kunst, insbesondere der Musik, betonen. Somit unterstreichen wir das paneuropäische Profil der Łańcuter Musikbestände, die im Bewusstsein der Kulturgemeinschaft unseres Kontinents gesammelt wurden – lange bevor die Idee des vereinten Europa Realität wurde.

Das übergeordnete Ziel der im Jahr 2010 vorgenommenen Digitalisierung eines Teils der Łańcuter Musikbestände war es, die Notenaufzeichnungen in digitaler Form festzuhalten und somit ihre langfristige Aufbewahrung zu ermöglichen. Als einen ebenso wichtigen Aspekt der Digitalisierung ist die Verbreitung der Bestände zu betrachten; zu diesem Zweck werden die Partituren und Stimmen weiten Kreisen von Forschern und Interpreten in elektronischer Form zugänglich gemacht. Wir – Musiker und Interpreten – sehen es als unseren besonderen Auftrag an, diesen Werken den ihnen gebührenden Platz in den Konzertsälen wieder einzuräumen. Wir erhoffen uns, dass die lebendige Wiedergabe ausgewählter Stücke auf unseren CDs („Digitalisierung“ der klanglichen Seite) dazu beitragen wird, dass die Łańcuter Notenmaterialien häufiger für künstlerische Zwecke benutzt werden.

Während wir all diese so wertvollen, aus der Vergessenheit geholten Werke auf CD einspielten und im Konzert vortrugen, hatten wir das Gefühl, einem historischen Augenblick beizuwohnen. Die von uns eingespielten Aufnahmen sind nämlich Unikate von Weltrang und die Werke, die im Programm unseres feierlichen Konzerts (vom 10. Oktober 2010) im Ballsaal des Schlosses standen, erklangen höchstwahrscheinlich zum ersten Mal seit etlichen Jahrzehnten.

Wir hoffen, dass es uns in nächster Zukunft möglich sein wird, unser Projekt fortzuführen. Die Speicherung einer großen Zahl von Bänden in digitaler Form sowie die begleitende phonographische Aufzeichnung ausgewählter Stücke stellt eine Aufgabe dar, die mindestens einige Jahre Arbeit sowie einen erheblichen finanziellen Aufwand erfordern wird. Die Mühe lohnt sich aber. Wir sind überzeugt, dass es uns gelingen wird, durch die komplexe Digitalisierung der Łańcuter Musikalien zahlreiche wertvolle, bisher nicht aufgeführte Werke ins Leben zurückzurufen, und dass unsere diesbezüglichen Bemühungen sowohl von den polnischen und europäischen Kulturinstitutionen als auch von Privatsponsoren wohlwollend aufgenommen werden.

Als ein Verein, der Künstler und Kunstfreunde aus Polen und dem Ausland versammelt, möchten wir unsere hohe Zufriedenheit mit der Tatsache ausdrücken, dass unser Digitalisierungsprojekt der Bibliotheksbestände des Łańcuter Schlossmuseums in Bezug auf die polnische und deutsche Musik einen Beitrag zur Erhaltung und zum Schutz eines Kulturerbes von europäischem Rang leistet, und dass es die künstlerische Aktivität im Kontext der Zugehörigkeit Polens zur Europäischen Union fördert.

Beata Płoska – Projektautorin, Verein Horizon, Krakau

Übersetzung: Mirosław Wagner / Matthias Hermann

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